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Christoph Reimann Trio feat. H. Machnik und B. Reimann - Exit - Sonic Slacker

Liest man den Namen Reimann, so fällt dem Musikbegeisterten sicherlich die schon lange zurückliegende Veröffentlichung „Booze“ (1997) des österreichischen Labels Cheap ein. Damals schon konnte man die jazzorientierten Arbeitsweisen ansatzweise heraushören. Doch nun ist dieses Element plakativ geworden, es hat sich verfestigt und ist in seiner Perfektion kaum zu übertreffen. Gemeinsam mit Hubert Machnik, einem Gitarristen und Komponisten für Klavier- und Kammermusik des Bereichs Neue Musik, sowie Beni Reimann (Schlagzeug und Vibraphon), verschmelzt dieses Trio experimentellen Techno und Film-Noir-Jazz zu einem unglaublich tiefgründigen Werk - zu Exit. Doch wer möchte hier wirklich aussteigen? Ist nicht das vehemente Ende der 50minütigen Spielzeit eher einem Rausschmiß vergleichbar? Weiter begleiten will man die, einst von Bobby Hutcherson, Freddie Hubbard und Herbie Hancock ins Leben gerufene Schönheit, die nun im Synthesizer geklont auf einer Reise in das Universum des SunRa-Arkestras neu aufblüht. Selten hat Jazz soviel Eigenständigkeit behalten und dennoch so viel Modulation erfahren. Wohl kaum einer, der sich für dieses Metier der modernen Musik interessiert, kommt an diesem bahnbrechenden Werk vorbei. Und enttäuscht wird man auf keinen Fall. Außer von der viel zu kurzen Spielzeit. Hat doch gerade erst im Kopf die eigene Bilderlandschaft begonnen zu wachsen und sich psychedelisch einzufärben. Musik wie eine traumhafte Droge, die ohne jegliche Nebenwirkungen in ihren Bann zieht und den Körper sich nach mehr aufbäumen läßt. ][ g

ouk, Nr. 38, Aug/Sept 2002

Christoph Reimann Quartet: Chorus EP

Utopian Jazz? - oder - Wie bastelt man sich eine Band?

An und für sich eine sehr experimentierfreudige Zusammenfügung. Man nehme vier begnadete Musiker, setze sie an ihre Instrumente, Rechner, lasse ihrer Fantasie freien Lauf, um zu sehen, ob das Zusammenspiel auch fiktiv realisierbar ist.
Die Philosophie der modernen Band: kreative Individualität? Die Musik des Einzelnen bewahrt sich absolute Eigenständigkeit und passt sich der Uniformität der Gruppe, nur in der Komposition des Neuen an, ohne sich zu unterwerfen?
Was letztlich dabei heraus kommt, könnte man wohl als interaktive Improvisation musizierender Menschen bezeichnen. Neuland, auf das sich nicht unbedingt jeder begeben muss, denn was sich nun als Modern-, Sci-Fi- oder einfach nur Absurd-Jazz beschreiben ließe, bedarf einer starken Gewöhnungsphase, wenn man sich mit seinem Geist weiterhin in der terrestrischen Hemisphäre aufhält.
Knapp 20 Minuten lang versorgt einen das Quartett um Christoph Reimann mit Akkord-Kompositionen, die sich irgendwo zwischen Sein und Schein bewegen. Wiederkehrende Melodien in wirrer Vereinigung erzeugen eine hektische und doch irgendwie monotone Stimmung, bei der man sich fragt, ob man den Verstand verloren haben muss, um eine Melodie zu erkennen.
Christoph Reimann leitführend an der Klarinette, Hubert Machnik zupft derweil die Gitarre, begleitend von Beni Reimann mit Schlagzeug/Vibraphone und Ingo Toelpe am Bass. Letzterer macht das Quartett erst komplett, das bis dato als Trio fungierte und sich bei Sonic Slacker Records bereits mit dem Album Exit einen Namen in Sachen technologisierten Jazz gemacht hat.
Keine Frage: Reimann gehört zu den innovativsten Künstlern seines Genres, ob als „Transporter“ oder in imaginärer Bandkonstellation, er überschreitet Grenzen, die für andere noch in weiter Zukunft liegen. Schräger Sound für schräge Gemüter!!

Berit Pauels, 21.2.2003
http://www.triggerfish.de/magazin/home.cfm?p=3273

B Recordings: "Shine" (Payola/EfA)

Ein Triumvirat aus Hamburg und Frankfurt, angeführt von Christoph "Transporter" Reimann, mit unschnippisch gelassenem Minimal-Laptop-House. Beachtlich, wie sie ein Stones-Sample zur luftigen Tanzmatte verweben.

Rolling Stone, Nr. 12, Dezember 2001

(...) Reimann führt mit "Booze", der neuesten CHEAP Veröffentlichung (22), durch verrauchte Barräume, in denen anscheinend gelangweilte Musiker in Schweiß und Schmelzwasser schwangerer Luft immer nur einen Riff spielen können, was einem das weite Zurückfallen in den warmen Sessel der Geräuschkulisse (Gläserklirren?) leicht ermöglicht.

ouk, Nr. 10,

-(...) "neue musik im buecherturm" heißt die Reihe, und sie präsentierte jetzt das Programm "hyware" des basis-analog - und damit auch fürs Auge - arbeitenden Radboud Mens, Jahrgang 1963, sowie den Frankfurter Christoph Reimann der hier ganz digital, "randomized" hieß seine 35-Minuten-Collage.
Der Zufall wählte bei Reimann Patterns von Disketten herunter, er konnte per Mischpult darauf reagieren, intervenieren, aber was seine Eingriffe bewirken, war auch nicht gänzlich determiniert. Von der Idee und den resultierenden, sich überlagernden Rhythmen her sehr spannend, aber eben nicht so gut zum Bauch wie Mens kapitale Scheiben-Sinfonie.

ick, Frankfurter Rundschau, Juli 1998

-(...) Dank des lobenswerten Konzeptes bei den "oh-ton" Konzerten, den gespielten Werken kurze Einführungen voranzustellen, traf es den Hörer nicht ganz unvorbereitet, als in Christoph Reimanns "Untitled 2" von 1995 ein Zuspielband zum Cello hinzukam. Ein im digitalen Zeitalter etwas gewöhnungsbedürftiges und auch dem Klang des tonlos streichenden Bogens irritierend artverwandtes Grundrauschen hätte mit besserer Technik sicherlich vermieden werden können.
Einlullend unorganisiert klingendes Glockengebimmel eröffnet dieses Stück. Eine sonore gezupfte Melodie aus dem Bauch des Cellos erhebt sich nur zögerlich über diese Kulisse. Als aber die Figuren hektischer und unter Zuhilfenahme eines Plektrums erklingen, wirkt die Zuspielung eher echohaft, bald doch mehr nach Wettstreit. Der große musikalische Bogen setzt sich am Ende über eine ruhige und wunderschöne Kantilene zu einem tiefen Flageolett auf dem Cello fort, eng umspielt von den Klängen des Tonbandes. Es war schwer nachvollziehbar, ob das wirklich in Zehnteltonintervallen stattfand.

Peter Löning, Lingener Tagespost, 24.6.1996

-(...) Die Frage: Was ist eigentlich Perfektion? stellte sich dagegen bei "Untitled 2" für Cello und Zuspielband von Christoph Reimann. In die Waagschale geworfen wurden dabei Vorgefertigtes, mit elektronischer Präzision erzeugte Töne und Sinusschwingungen "pur" auf der einen Seite, Improvisation, einem "akustischen" Instrument entlockte Töne und natürliche Obertöne auf der anderen Seite. Bemerkenswert war bei den "Umschwingungen" und Verhältnisumkehrungen im Verlaufe des mehrteiligen Stückes, daß trotz technischer Präzision das Zuspielband eher den Eindruck des Chaotischen, Fragmentarischen machte.

Christiane Maaß, Nordwest-Zeitung, 19.6.1996

-(...) Dagegen fällt die Darstellung der "7 Stücke" für Violoncello solo (1992/93) des Frankfurter Komponisten Christoph Reimann etwas ab. Nur im dritten Stück, einem interessanten Variationspiel mit dem Ton "a", findet Matthias Lorenz zu dichtgesponnener Musiksprache zurück.(...)

Jürgen Otten, Frankfurter Rundschau, 22.10.1993

-(...) Zur Verschmelzung europäischer und asiatischer Elemente nutzt Toshiro Mayuzumi in "Bunraku" solche Techniken, vornehmlich Glissandi und mehrstimmiges Spiel, während Christoph Reimann in der Materialkiste zeitgenössischer Musik gestöbert und aus seinen Fundstücken sieben kurze, teils klanglich gearbeitete, insgesamt aber wenig überzeugende Cellostücke gebastelt hat.(...)

Hanno Ehrler, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.10.1993

-(...) Das ergibt sich schon daraus, daß Lorenz mit viel Charakterisierung spielt: Starke Akzente, kraftvolle Striche, volles Klangbild. Persönlichkeit statt harm- und spannungslosem Plüsch. Das weiß auch Christoph Reimann, Student an der Frankfurter Musikhochschule und engagierter Nachwuchskomponist mit ebenfalls eigenen Ideen. Für Lorenz hat er "Sieben Stücke" für Cello solo geschrieben, und die bekamen in der eigenartig passenden Atmosphäre des Kulturkellers zum ersten Mal klingende Gestalt. Zur Uraufführung dieser Musik griff Lorenz auf sinnvoll geübte neue Musik-Praxis zurück: Er spielte den Zyklus gleich zweimal, vor und nach der Pause. Reimanns kurze Sätze spielen mit viruos auf sauberer Architektur gegliederten Klängen. Spieltechnik, Tonhöhen und -charaktere wechseln ständig. Von knallend harten Pizzicati über kraftvolle fortissimo-Einschübe bis zum Atmosphärischen.
Matthias Lorenz kostet diese Klänge voll aus, in klangstrotzenden Cressendi, verhauchten Akkorden, in hoher Präzision im Ablauf der Struktur dieser Stücke. Nach der Scherzoepisode des vorletzten Satzes baut sich eine Klangjalousie aus akkordischen Strichen, die langsam die Tür schliessen. Diese erste Realisation der musikalisch überzeugenden Komposition brachte dem Interpreten wie dem anwesenden Komponisten gleichermaßen viel Applaus.(...)

Ralph Ph. Ziegler, Frankfurter Rundschau, 8.7.1993

transporter - glaze - crippled dick hot wax

hinter transporter verbergen sich die beiden stuttgarter brüder beni und christoph reiman, die hier auf eine relaxte reise ins reich der reduzierten elektronischen sounds mitnehmen. obwohl der eher künstliche rahmen durch etliche organische elemente wie vibraphon, fender rhodes, kontrabass, trompete oder zauberhafte vocals von nadja dehn und selda kaya angereichert wird, bleibt der gesamteindruck doch eher synthetisch und erinnert in seinen besten momenten an die arbeiten des genialen soundtüftlers "herbert". eine platte, einfach und verspielt, bestechend und charmant, perfekt zum sommer passend und bei aller eingängigkeit sich doch konsequent verweigernd allzu voreilig getroffenen erwartungen zu entsprechen.

Karsten John, Vinyl Vibes, 20.6.03

Der Late Lounge Plattentipp (Die Schallplatte der Woche vom 10.06.03):
Transporter mit dem Titel "Emmentaler Swing" aus dem Album "Glaze"

Seit 1997 besteht die Frankfurt-Berlin Connection Transporter. Christoph und Beni Reimann haben sich mit zwei Sängerinnen und offenbar ausgewiesenen Jazz-Spezialisten an Piano und Trompete zusammengetan. "Glaze" ist (mindestens) ihr zweites Album, bisher veröffentlichten sie bei Source und Payola. Christoph Reimann, für den elektronischen Anteil bei Tranporter zuständig, durfte sich schon belobigen lassen für seine Arbeit mit Patrick Pulsinger oder auch Conjoint.
Die Musik:
Christoph Reimann: Electronics, Keys & Programming.
Beni Reimann: Vibraphones, Rhodes, Percussion.
Bei der Auflistung der Instrumente ahnt man schon, wo der Hase langläuft: Es pluckert und plinkert sehr charmant, gesungen wird nur gelegentlich. Dafür kommt auf "Glaze" aber eine sehr schöne und unaufdringliche Trompete zum Einsatz, und auch Piano und Vibes sorgen für einen Ansatz, den man wohl am besten mit Jazz umschreibt. Da und dort rutscht es mal in die Beliebigkeit ab – alles in allem aber ein Album wie geschaffen für den späten Abend auf der Terrasse; mit Drink, versteht sich.
www.latelounge.de


Rezension auf den italienischen Sites von www.allaboutjazz.com, www.musicboom.net und www.xtortion.de

Welcome aboard and take a soft-sprung seat in the TRANSPORTER run by the Berlin-Frankfurt family business of BENNIE and CHRISTOPH REIMANN. Led by the effervescent playing of world-class vibraphonist Bennie Reimann. The ensemble provides a classic and intimate jazz accompaniment; double bass, piano, trumpet, percussion, Fender Rhodes, vocalists, together with a pinch of electronics and super-subtle house feel. An album of great charm and atmosphere that approaches the genre of jazz with much sophistication. Agreeable and tranquil, recommended for any listeners of light jazz and particularly fans of vibes.
www.sanity.com


TRANSPORTER
Glaze
Described as "jazzy house meets Dave Pike" -- and we couldn't have put it better! Warm rhythms bubble underneath, and jazzy touches float over the top. The best tracks have a mix of Fender Rhodes and vibes -- and a few tracks feature some breathy female vocals that drift in and out nicely! New Grooves (CD, LP)


www.dustygroove.com


Downbeat aus Deutschland präsentieren Cristoph und Beni Reimann aka Transporter auf ihrem zweiten Album »Glaze« (Crippled Dick Hot Wax!). Hier dominieren eindeutig mehr die jazzigen Elemente, z.B. Vibraphon, Piano oder Trompete. »Glaze« ist für mich der eindeutige Geheimtipp im Juni. Die Platte ist wirklich gelungen, weil hier bewußt auf Zeitlosigkeit gesetzt wurde, und absolut sauber ist sie auch. Wertung: 2 Daumen und acht Finger.
www.station.de


Gesendet auf
Radio Citta Futura www.radiocittafutura.it
Radio Eins (Late Night Lounge mit Stephan Karkowsky) www.radioeins.de






Kritische Masse


Insbesondere für Freunde von Rhodes und Vibraphon, die sich zugleich auf den Wogen ausgeruhter und enervierender Rhythmen fortbewegen wollen, dürfte dieses Album von Interesse sein. Club-Kultur und Jazz sind ja keine Feinde, doch so richtige Freundschaft scheint immer beide Seiten zu beschädigen oder zu beleidigen. Denn der Zaubervirtuose aus dem Jazz muss hineingewürgt werden in ein bestenfalls electronic-knarzenden und -fiependen Brei, dem dann noch eine gesampelte Miles-Trompete übergestülpt wird. Das könnte auch auf "Transporter" zutreffen, könnte – wenn nicht in diesem Fall die musikalisch hoch sorgfältigen Arrangements zeigen, dass es hier in erster Linie um Musik und nicht um Life-Style-Bedienungskultur geht. Da man letztere Zielgruppe dennoch auch noch bedienen will, bleiben gewisse Einfältigkeiten der Unentschlossenheit. Aber wo bekommt man sonst schon mal einen "Emmentaler Swing" oder ein "Ear Candy"? Bon Appetit.

Transporter: Glaze
Crippled Dick Hot Wax, CDHW089


www.kritische-masse.de/blog/?itemid=60


Transporter - Glaze Jazz/Blues

Wie sieht ein perfekter Urlaub aus? Vier-Sterne-Palast und Austern zum Frühstück? Hotel mit Animation und 24 Stunden-Programm zum Bloß-nicht-selber-denken? Oder doch Hippie-mäßig in den VW-Bus einsteigen, ziellos Richtung Süden, Hauptsache Rotwein und gute Musik dabei? Für letztere Variante sei ein besonderes Stück im Marschgepäck empfohlen. Die Brüder Christoph und Beni Reimann nennen ihr Projekt "Transporter" und fahren den geneigten Hörer / Urlauber dem Sommer ein Stück entgegen.
Man könnte sie auch die Vibraphon-Könige nennen, keiner der zehn Songs kommt ohne den glockigen Klang des Instruments der 60er-Jahre aus. Das verleiht dem Ganzen einen Retrochic, den die sauber produzierten und housy-getunten Soundperlchen niemals muffig werden lassen. Die Sängerinnen Nadja und Selda geben Songs wie "Tranquil Smile" oder "Bonnie" eine Zuckerglasur und machen so das Album zu "Glaze". Hier wird bewiesen, dass Jazz keine Angelegenheit von alten Säcken sein muss, die nur in der guten alten Zeit leben, sondern unbedingt seine Daseinsberechtigung in der Neuzeit hat, wenn ein paar Spielregeln beachtet werden. Und dessen sind sich die Reimanns bewusst und geben so das Startsignal für eine entspannte Urlaubsfahrt in die Zukunft.

Überzeugend

Nina Becker

www.viva.de/musik.php?op=cd-jazz&what=show&Artikel_ID=33063

transporter
Glaze
Crippled Dick Hot Wax CDHW 089 cd/2lp
Jazzhouse uit Frankfurt. Twee broers waarvan de één, Bennie Reimann, de absolute top is op de vibrafoon en de ander, Christoph, handig is met percussie en schaamteloos de foutste akkoorden haalt uit z'n Fender Rhodes piano. Door de boel flink in de laptop te gooien sleept Transporter hun muziek naar het hedendaagse. Charmant, atmosferisch, sophisticated en hartstikke creatief. Na eerdere releases op Payola, Source en Cheap Records is dit er één op Crippled Dick Hot Wax.

www.konkurrent.nl/nieuws1974.html

Patrick Pulsinger Presents Easy To Assemble Hard To Take Apart
In The Shadow Of Ali Bengali
(Form & Function /Zomba)

Kürzlich sah und hörte ich beim “SWR - New Jazz Meeting” eine Auseinandersetzung mit Bernhard Langs vom Philosophen Gilles Deleuze inspirierter Komposition “Differenz / Wiederholung 1.2”. Das Ganze in Form einer komplexen Live-Interpretation, die sich im Zusammenspiel von drei unterschiedlich besetzten Trios vollzog. An den Turntables agierte Philip Jeck, am Laptop prozessierte live Christoph Kurzmann. Bei größeren Ensembles wirkte deren Beitrag oft akzidentiell oder gar kontraproduktiv, insofern, als die gemeinsam produzierten Intensitäten unvermittelt auf eine merkwürdige Meta-Ebene transferiert wurden, die sich dann leicht als wenig schlüssiger Kommentar missverstehen ließ. Kurzum: Entweder gingen Kurzmann und Jeck im Ensemblespiel unter oder aber sie reduzierten ihre Arbeit auf die Produktion von indifferenten Störgeräuschen, den normalen Instrumenten deutlich unterlegen. Auftritt Patrick Pulsinger, der sich in den Credits u.a. bei Kurzmann, der Mego-Crew und auch seinem alten Kumpel Erdem Tunakan bedankt. Trotz des etwas umständlichen und bemüht witzigen Titels verbirgt sich hinter diesem Album, das auch Tracks der beiden vorausgegangenen Maxis des Projekts ETAHTTA enthält, - Überraschung! - ein astreines, grundsolides Jazzalbum, das die Klientel, die trotz dieser beiden Maxis bedenken- und ahnungslos auf das Label Pulsinger vertraut, wohl daheim erst mal etwas vor den Kopf stoßen wird. Das ist zuallererst eine Frage der Perspektive: Wahrscheinlich wird die Überraschung für diejenigen größer sein, die sich ETAHTTA vom Tanzflur her nähern, zumal in gewissen Kreisen das Credo “alles außer Jazz” immer noch gängige Münze ist. Wer vom Jazz her kommt, wird zunächst einmal ein klassisches Pianotrio um Josef Novotny hören, das sich in einzelnen Tracks um Wiener Jazz-Prominenz wie Franz Hauzinger (Trompete), Christoph Reimann (Klarinette) oder Radu Malfatti (Posaune) verstärkt und ordentlich, allerdings auch etwas wenig riskant agiert. Stichwort: Post-Bop. Wenn Pulsinger in die Jam Sessions eingreift, bereichert er den Gesamtsound durch Loops oder Liveprocessing um eine dubbige Tiefendimension, die zwar in den Gesamtsound nachhaltig eingreift, ohne deshalb aber die Bandkommunikation aufdringlich oder gar programmatisch an sich zu reißen. Vielleicht ist es gerade dieses Moment der Mannschaftsdienlichkeit, des Ensemblespiels, das Pulsingers Jazz-Entwurf so spannend und vor allem so haltbar macht. Man kann sagen: Pulsinger arbeitet ernsthafter an einer produktiven Fusion von Jazz (Improvisation) und Elektronik (Programmierung und Improvisation) als so viele andere Grenzgänger, bei denen entweder die Elektronik modisches Ornament (Live-DJing) bleibt oder der Jazz ein matter Hipness-Indikator (Mojo-Sampling).

Autor:Ulrich Kriest

intro Januar 2003

B Recordings: "Rosiges Oberflächendesign"

Vor knapp zwei Jahren sa§ ich im Fond eines Bentley, eine Taucherbrille auf dem Kopf, von drau§en guckten Passanten erstaunt hinein. Die anderen drei Typen im Wagen, den sie durch Hannover fuhren. Sie erzählten über die Peter Lorenz-Entführung und dass sich die Entführer bei einem MC 5-Konzert in der Leinestadt kennengelernt hätten. John Lennon kam auch vor: "Happiness is a wurm gun". Mitbekommen habe ich nicht alles, ich hatte Mühe zu atmen. Einer von ihnen war Nikola Duric, Mitglied von Showcase Beat le Mot, deren mobiles Theatestück über Popmusik, Politik und Gewalt ich erleben durfte. Zusammen mit Albrecht Kunze und Christoph Reimann ist Duric auch B Recordings. Das Trio ist, was man versatil nennen kann. Reimann hat unter diesem Namen auf Cheap schon vor Jahren veröffentlich, dort harrt ein Album noch der Veröffentlichung, während eines unter dem Namen Transporter auf Source-Records erschienen ist. Dem Jazzinteresse des hauptberuflichen Klarinettenlehrers kam die Zusammenarbeit mit Conjoint sehr entgegen und ihrer wird auf dem zweiten unveröffentlichten Transporter-Album ausgiebig gefrönt. Kunze kennt man von seiner LP "Testarchiv" (Disko B) und seiner Lamé-Gold-Platte (Studio 54) mit jener vielgepriesenen Coverversion von "Heartbreak Hotel". Jetzt erscheint auf Payola ein Album, während die Veröffentlichungen des Projekts März (Kunze und Ekki Ehlers), noch tröpfeln. Soviel das im Moment Relevante in gebotener Kürze, aus dem sich dem sich dennoch die Frage ergibt, wie es diese Leute mit ihrer Geschichte nach all den Jahren geschafft haben, mit "Shine", dem B Recordings-Album, eine Platte zu machen, die das derzeitige Spektrum zwischen Minimal House, Clicks & Cuts und Pure Techno zusammenfasst? "Wir kommen ja alle nicht aus dem Club", sagt Durich. Das ist natürlich schon länger kein Grund mehr, keinen Clubhit machen zu können - wie das Titelstück des Albums beweist, das in Remixen von Patrick Pulsinger und Move D paralell veröffentlicht wird. Der Grund liegt viel eher in einem Oberflächendesign, hinter dem das sprichwörtliche B Recordingshafte ihrer bisherigen Platten auf seine Funktion im jeweiligen Stück reduziert wird. Bestand ein grosser Reiz in der Rezeption bislang im Aufspüren der historischen Quellen, wird dies jetzt in ein Genießen umgewandelt. Dass einmal die Stimme Terry Calliers auftaucht, sich Violent Femmes-Fans auf die nächste Maxi freuen können - geschenkt. Viel schöner ist es, mitzufühlen, wenn der Opener sich durch eine kleine Zutat unendlich öffnet, beim gesprochenen "Bum Bum Bum" im wunderbar fließenden "The Maybe Chanels" mitzugrinsen, das den Track noch luftiger, feiner und schöner macht, als er schon ist. B Recordings haben einen Berg erklommen, von dem die Welt etwas rosiger aussieht. Unwichtig, wie sie da hoch gekommen sind.

Martin Pesch

aus: SPEX Nr.243, April 2001


B Recordings - Instant (Supercheap/003)

Die 10" Serie geht weiter, hier mit einer Doppel EP. Zuerst mal ein merkwürdiger, knalliger, hintergründig verjazzter und sehr drängender Track, dann Housemusik, die Deepness so tief runtergehen lässt, dass es anfängt zu knacken. Auch hier aber diese sehr verspielte Art, im Hintergrund eine Stimmung zu halten, die durch ihre merkwürdig zurückhaltend jazzigen Strukturen dem Ganzen einen Flair verleiht, der nicht leicht zu durchschauen ist. Offensichtlich versuchen B Recordings Ruhe um die Diskussion von Jazz zu bringen, in dem sie ihm genau die Räume übertragen, die die Fäden ziehen, ohne dass man es erst mal merken würde. Irre coole Tracks, die es verdient haben, auf jede Gefahr hin immer wieder gespielt zu werden.

Aus: de:bug, 1999


B Recordings - Mount Mitchum (Payola)

Ja, sehr schön eigentlich, diese 12", ruhig, minimalistisch, perfekt zum Gedanken-schweifen- lassen. Hier und da ganz coole achziger Beat-Box-Sounds, aber alles in allem doch etwas langweilig, oder ich zu gestresst für solch eine Beschaulichkeit. Wenn man sich den kurzen Einschlag von der Santana-Gitarre wegdenkt, ist die Sound-Auswahl insgesamt wirklich sehr ansprechend. Mehr als ein Plöng-Plöng hier und ein Töck-Töck da ist es aber eben nicht und mir deshalb zu wenig. Für jemanden, der frisch verliebt oder durch andere Umstände in totaler Verzückung lebt genau das richtige.

Aus: de:bug, 1998

B Recordings: "Shine" (Payola/EFA)

Wer eine große Plattensammlung hat, der hat was zu erzählen. B Recordings sind ein Trio aus Frankfurt/Hamburg, deren Soloarbeiten als Albrecht Kunze auf Disko B und Transporter auf Source erschienen sind. Der dritte im Bunde ist der Theatermacher Nikola Duric ausHamburg. Aus 40 Jahren Musikgeschichte bedienen sich B Recordings ohne den Hang zurnostalgischen Reminiszenz, bei allem was der Plattenschrank so hergibt. Die Auswahl wirdallein durch die Stimmigkeit im Song getroffen. Was sich hier wie Samplewahn anhören könnte, ist auf "Shine" wunderbar stimmige, elektronische Popmusik. Alles passt, weil nichts passend gemacht wird. Stimmen werden so perfekt in die Tracks eingebaut, dass man den Eindruck bekommt, die Sänger wären einzig und alleine für B Recordings ins Studio gegangen; selbst wenn man die Originale kennt! Die erste Hälfte des Albums ist verspielt groovig und unaufgeregt gelassen, warmer Pop aus deutschen Landen. Mit der zweiten Hälfte der Platte schütteln B Recordings alles ab, was abfallen kann, aus Pop wird Minimaltechno, irgendwo zwischen Mosaic und Thule, es bleibt warm und tanzt. Ich frage mich, ob ich vorher jemals das Bedürfnis hatte, zu Techno mitzusummen? Auch wenn es sicherlich einen Bruch auf dieser Platte gibt, so darf er genüsslich ausgekostet werden, denn B Recordings bleiben homogen und gut gelaunt. Mit "Shine" kommt das zurück, was Mitte der 90er noch extrem genervt hat: Die Kompatibilität von Club und Couch. Die verspielte Einführung nimmt uns an die Hand, gibt uns intelligenten Pop mit Instrumenten-Sounds und speckt dann wunderbar ab, zu Clubtechno, der keiner sein muss. Der Titeltrack "Shine" ist ebenfalls bei Payola als 12" erschienen, mit Remixen von Move D und Patrick Pulsinger. Hören, tanzen, summen. "Shine" liebt Dich!

Aus: Groove Nr.68, 2001

 

 

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